
IHK Arnsberg
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der preußische Staat ein großes Interesse an finanz- als auch wirtschaftspolitischer Unterstützung durch Unternehmer und hatte mit dem Handelskammergesetz von 1848 die Basis für eine Vereinheitlichung von kaufmännischen Vertretungen geschaffen. Sinn war, diese Kammern institutionell einzubinden.

Die Handelskammer Arnsberg wurde 1851 errichtet für die Kreise Arnsberg, Brilon, Meschede und Olpe. Die Unternehmer, die an der Gründung beteiligt waren, hatten ein großes Interesse mit einer gemeinsamen Stimme ihre Interessen zu benennen und durchzusetzen.
Aus dem Bereich Arnsberg trat insbesondere Josef Cosack (Hüstener Gewerkschaft) als Gründungsmitglied hervor und wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Mit Franz Tillmann aus Arnsberg und Friedrich Wilhelm Brökelmann aus Neheim wurden weitere Unternehmer aus dem heutigen Stadtgebiet Arnsberg in die Hauptversammlung gewählt.
Die Unternehmen waren in der Kammer vertreten durch Mitglieder oder Stellvertreter, die von dem Gremium jeweils für ein oder zwei Wahlperioden gewählt wurden. Kammermitglieder zwischen 1851 und 1870:
14 x Kaufleute
13 x Eisen- u. stahlerzeugende Betriebe
5 x Bergwerksbetreiber
4 x Papierfabriken
3 x Textilfabriken
2 x Kupfer- und Bleihütten
2 x Metallwarenfabriken (Knöpfe und Polsternägel)
1 x Apotheker
1 x Brauereibesitzer
1 x Faßdaubenschneidereien
1 x Glashütten
1 x Pulverfabriken
1 x Lederhändler
1 x Pottasche-Siedereien
1 x Zigarrenfabrik
1 x Ölmühlenbesitzer
52 gesamt
Eine interessante Zusammensetzung, die auf die damals noch existierenden Herstellungsprozesse hinweist.
1870 wurde im „Gesetz über die Handelskammern vom 24. Februar 1870“ als Grundlage für die Kammern mit § 1 festgelegt:
„Die Gesamtinteressen der Handel- und Gewerbetreibenden ihres Bezirkes wahrzunehmen, insbesondere die Behörden in der Förderung des Handels und der Gewerbe durch tatsächliche Mittheilungen, Anträge und Gutachten zu unterstützen.“
Die Handelskammern wurden und sind Bindeglied zwischen Staat und Wirtschaft. 1909 bekam die Arnsberger Kammer den Namen „Handelskammer für das südöstliche Westfalen“.
Die Hochsauerland-Region war insbesondere durch die Landschaft geprägt und hatte nicht den einen „Motor“ wie die Montanindustrie im Ruhrgebiet. Aber einzelne visionäre Akteure entwickelten industrielle Verfahren und gründeten Unternehmen, die sich bis in die heutige Zeit zu „Weltmarktführern“ entwickelten.
Von der Gründung bis zum Jahr 1870 war für die Unternehmen eines der dringlichsten Probleme der Transport von und zu den Fabrikationsstätten. Am 10. Juli 1856 fand eine Versammlung mit 142 Mitgliedern statt, in der darum gerungen wurde, Mittel zu Verfügung zu stellen, um für eine Eisenbahn einen Konzessionsantrag beim Königlichen Ministerium stellen zu können. Es gingen aber noch 14 Jahre ins Land bis am 1. Juni 1870 die Eisenbahn (Ruhrtalbahn) bis Arnsberg eröffnet wurde.
Waren des täglichen Gebrauchs wurden verteilt durch Wanderhändler, die mit Flechtkörben auf dem Rücken durch das Sauerland wanderten. Damit wurden auch Nachrichten verbreitet und Kommunikation fand statt.
Am Anfang war eine weitere Bestrebung der Kammer die qualitative Verbesserung der bestehenden Straßen, insbesondere der Staatsstraßen. Ein weiteres Anliegen war es, die sogenannten „Barrieregelder“ abzuschaffen, die in dieser Zeit die Transporte verteuerten.
Die Tätigkeitsschwerpunkte der Kammer waren in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Themen:
Verkehrsproblematik
Kommunikation (Post- und Telegraphenwesen)
Justiz- und Finanzwesen
Wasserversorgung (Bau der Talsperren)
1889 wurde eine Fortbildungsschule gegründet, aber einen hohen Stellenwert erreichte die Berufsbildung erst nach 1920. Die IHK Arnsberg trat 1927 dem „Deutschen Verband für das kaufmännische Bildungswesen“ bei.
Der Gedanke der Selbstverwaltung in der Fortbildung erhielt im Jahr 1935 eine wichtige Bestätigung. Die Arbeitsgemeinschaft der IHK’s vereinbarte eine endgültige Zusammenarbeit auf dem Gebiet der industriegewerblichen Lehrlingsausbildung und des Prüfwesens. Man verständigte sich auf eine einheitliche Prüfungsordnung, die Ausgabe von Musterlehrverträgen und die Anmeldung aller Lehrlinge in die Lehrlingsrollen.
Die Qualität der beruflichen Ausbildung konnte in den Kriegsjahren zwischen 1939 und 1945 und der schwierigen Nachkriegszeit aufgrund der Verhältnisse nicht gehalten werden. Trotz der widrigen Umstände wurde in den 1940er Jahren in Neheim-Hüsten die Gemeinschaftslehrwerkstatt gegründet.
In den Jahren nach 1945 wurde in den Gremien (DIHK/Politik/Gewerkschaften) die Berufsausbildung und die notwendigen gesetzlichen Regelungen oft sehr kontrovers diskutiert, bis schließlich am 14. August 1969 das Berufsbildungsgesetz in Kraft trat, das zum 1. April 2005 in einer neuen Fassung veröffentlicht wurde.
Die IHK Arnsberg ist bis heute die Vertreterin der Gesamtinteressen der Wirtschaft vor Ort und setzt sich für wettbewerbsfähige Standortbedingungen ein. Neben der beruflichen Bildung und der Sicherung von Fachkräften stehen dabei die großen Transformations-Themen wie die Digitalisierung und der Umbau der Wirtschaft zu mehr Klimaneutralität im Vordergrund. Zudem dreht sich in der IHK-Arbeit vieles um die Frage, wie für die Wirtschaft – und insbesondere für die Industrie – die Versorgung mit Energie gesichert werden kann. Eine weitere Aufgabe sieht die IHK darin, sich für weniger Regulierung und Bürokratie einzusetzen. Damit ist die Kammer auch heute noch Bindeglied zwischen Staat und Wirtschaft.
Quellen:
Karl-Peter Ellerbrock / Tanja Bessler-Worbs (Hg.)
Wirtschaft und Gesellschaft im südöstlichen Westfalen
Gesellschaft für westfälische Wirtschaftsgeschichte e.V. Dortmund 2001
ISBN 3-87023-192-0
IHK Arnsberg