
Kleinbahn-Zeiten zwischen Ruhr & Lippe
Die Industrialisierung des Ruhr- und Röhrtals erforderte nicht nur den Transport von Gütern, sondern auch die Beförderung von Menschen. Man wollte vor allen Dingen in den ländlichen Gebieten mit Erstellung von „Kleinbahnen“, die die auch einen geringen Gleisabstand haben konnten (z.B. 1 Meter), was geringe Investitionskosten bedeutete. Die bisher gebauten Bahnen wie die Staatsbahnen besaßen eine Spurweite von 1435 mm. Die Kleinbahnen dienten zur Verbesserung der Infratsruktur, z.B. durch den Anschluss der abgelegeneren Gebiete an die Staatsbahn.
Nach eingehenden Beratungen beschloss der Soester Kreistag am 12. Dezember 1894 den Bau einer dampfbetriebenen meterspurigen Kleinbahn für Personen und Güterverkehr von Hovestadt an der Lippe über Soest nach Neheim-Hüsten an der Ruhr. In Ostönnen sollte eine Stichbahn nach Werl abzweigen. Während des Baus dieser Linien bekundete die Stadt Hamm Interesse an einer Kleinbahnlinie von Hamm nach Werl. Das wurde auch bewilligt, aber noch bevor diese Strecke eröffnet wurde, fusionierten die beiden Projekte zur „Ruhr-Lippe-Kleinbahn“.
Die damals noch nicht oder nur sehr eingeschränkt verfügbaren Baumaschinen und Hebezeuge erforderte für die Erstellung der Bahn eine erhebliche menschliche Arbeitskraft und gab vielen Menschen Lohn und Brot.

Quelle: Günter Krause DGEG

Quelle: www.sauerlandbahnen.de
Röhrtalbahn
Die Röhrtalbahn wurde am 01. Juni 1900 eröffnet auf der Linie Neheim-Hüsten – Sundern mit den Haltestellen Hüsten-West, Müschede, Reigern, Hachen, Stemel und der Endstation Sundern mit zwei Haltepunkten.
Für viele Arbeitende der “Hütte“ in Hüsten und anderer Unternehmen war das eine große Erleichterung, da sie zu diesem Zeitpunkt für eine 10-12 Stundenschicht zu Fuß von ihrem Wohnort zur Arbeit kommen mussten. Der Personenverkehr wurde 1977 eingestellt und ab 1.1. von der RLG mit Omnibussen übernommen. Die Trasse mit Schienen gibt es heute noch und sie wird teilweise noch für den Güterverkehr genutzt. Z.B. nach dem Sturm Kyrill und der Borkenkäferinvasion zum Abtransport von Schadholzes.

Quelle: Günter Krause DGEG
Kleinbahn zwischen Neheim-Hüsten und Arnsberg
Die Staatsbahn fuhr zwischen Neheim Hüsten und Arnsberg, aber in den dazwischen liegenden Orte brauchten die Menschen ein Beförderungsmittel, da die zunehmende Industrialisierung den wohnortnahen Arbeitsplatz zunehmend verlagerte.

Kleinbahn auf der Poststrasse ( jetzt: Goethestrasse )
Quelle: Heimatbund Heft 62 / 2016
Die Streckenführung für die notwendige Verbindung im Ruhrtal zwischen Arnsberg und Neheim-Hüsten wurde am 01.02.1907 mit der Strecke Neheim-Hüsten – Arnsberg eröffnet. Haltepunkte waren Möhnestrasse, Lange Wende, Bahnhof, Röhrbrücke, Hüsten-Ost (heute Haus des DLRG) an der Riggenweide ) Bruchhausen, Niedereimer, Schefferei, Jägerbrücke.
Nicht nur für die Mitarbeiter der Unternehmen und die Beförderung von Gütern war die Bahn wichtig, sondern auch für Schüler, die die weiterführenden Schulen besuchten. Manche Hausaufgabe wird in der Bahn erledigt und mancher Streich von den Schülern in der Bahn ausgeheckt worden sein. 1964 wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt und auf Busse verlagert. Der Gleiskörper ist teilweise noch erhalten und ist streckenweise an dem Ruhrtalradweg zu sehen.
Steinbruchbahn der RLK
Der Plan die Menschen und Industriebetriebe im Ruhrgebiet mit Wasser zu versorgen, führte dazu, dass 1899 der Ruhrtalsperrenverein gegründet wurde. Als erste Maßnahme begann man mit den Planungen für die Möhnetalsperre, die von 1908 bis 1912 gebaut wurde.
Die erhebliche Menge an Steinen die man dafür benötigte wurden transportiert mit Hilfe einer Bahn, die vom Müscheder Steinbruch (heute stillgelegte Müllkippe hinter dem Unternehmen WEPA) bis zur Baustelle im Möhnetal führte. Der Steinbruch wurde am 26. April 1969 wg. Unwirtschaftlichkeit stillgelegt. Das Höhenniveau vom Müscheder Steinbruch zum Ruhrtal wurde überwunden durch den Bau eines Damms, der am Bahnhof Hüsten-Ost endete. Reste davon sieht man hinter dem Schießplatz des Hüstener Schützenvereins.
Diese Bahn wurde Mitte der 1950er Jahre eingestellt und der Gleiskörper entfernt.

Quelle: Günter Krause DGEG Kleinbahnstation Hüsten-Ost mit Schriftzug der Steinwerke.
Gleisanschlüsse im Ortsgebiet
In den Anfängen der Bahn wurden die Züge von Dampfmaschinen angetrieben. Kessel, der von einem Heizer mit Kohle befeuert wurde, erzeugte den nötigen Dampf. Eine sehr anstrengende und schweißtreibende Arbeit. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden die dampfbetriebenen Lokomotiven mehr und mehr von Dieselloks abgelöst.

Lok Nr. 55 1801 ca. 1933
Quelle: Günter Krause DGEG
Die Anfang der 1900er Jahre beginnende Motorisierung und Entwicklung von Bussen und LKW war für die Bahnen eine ernsthafte Konkurrenz. Am 9. September 1926 setzte die RLK die ersten Busse ein.

RLE Kraftomnibus 1920er Jahre
Quelle: Günter Krause DGEG
Das Unternehmen das am 4. Oktober 1893 vom Landkreis Soest gegründet wurde, existiert mit wechselnden Namen immer noch und wurde umbenannt
1939 in RLE Ruhr-Lippe-Eisenbahnen
und ab
1980 in RLG Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH
Die Röhrtalbahn, die 1900 von der Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet wurde und
1925 in den Verbund der Vereinigten Kleinbahnen AG kam, wurde 1978 von der RLE übernommen.
Wir bedanken uns bei
Günter Krause für die wertvollen Informationen aus seinem Buch
Kleinbahn-Zeiten zwischen Ruhr und Lippe DGEG
ISBN 978-3-946594-20-8
Wenn die Geschichte der Kleinbahnen sie interessiert, hier weitere Links zu websiten:
Wikipedia: Röhrtalbahn
www.eisenbahnfreunde-werl.de RLK südliche Bahnhöfe
www.huesten.de Steinbruchbahn