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JO BA FA = Josef Bachtenkirch Fahrradfabrik

Josef (*1898 +1965) wuchs in Lendringsen bei Menden im Sauerland auf, wo seine Eltern ein Kolonialwarengeschäft betrieben. Als junger Mann zog es ihn nach Arnsberg, wo er auch sein erstes Gewerbe anmeldete. Zunächst verdiente er seinen Lebensunterhalt für sich und seine junge Familie als Generalvertreter der damaligen Motorradfabrik RMW und ab 1934 mit einem stationären Fahrrad- und Motorradgeschäft in Arnsberg. Mit dem Heranwachsen seiner Söhne Friedrich und Günter Bachtenkirch musste das Geschäft von Josef vergrößert werden, da auch sie eine Zukunft in dem Familienunternehmen sahen. Die Firma von Josef entwickelte sich zu einem sog. Montagegroßhändler. Zugekaufte Fahrradrahmen und sonstige Bauteile wurden zu Fahrrädern montiert und anschließend an gewerbliche Kunden aus der Region weiterverkauft. Sein älterer Sohn, Friedrich, übernahm insbesondere die Außendienstaufgaben während Günter sich schon in sehr jungen Jahren mit dem Bau der Fahrräder auseinander setzte. 1962 wagte Josef mit seiner Familie den Schritt, eigene Fahrradrahmen und -Gabeln herzustellen. Dazu legte er den Grundstein für die ersten Bauabschnitte einer neuen Fahrradfabrik auf dem Gelände einer alten Arnsberger Ziegelei. Die Weiterentwicklung seiner Firma konnte der Seniorchef leider nicht mehr miterleben - er starb 1964 unerwartet im Alter von nur 66 Jahren.

   

Josef Bachtenkirch, der am 02. Dezember 1898 in eine Kaufmannsfamilie aus Lendringsen (Sauerland) hineingeboren wurde, suchte als etwa 30-jähriger eine neue berufliche Herausforderung. Zuvor war er im Außendienst für Brandt-Zwieback aus Hagen mit einem Motorrad und Beiwagen unterwegs. Ende der 1920 Jahre musste auch ihn die Weltwirtschaftskrise stark betroffen haben. Seine neue Herausforderung war zunächst eine eigenverantwortliche selbstständige Generalvertretung der damaligen Motorradmarke RMW aus Arnsberg-Neheim.

In Deutschland stieg die Motorradproduktion während der 1920er Jahren sehr stark an. Noch vor dem 1. Weltkrieg galten Motorräder als Luxusobjekt. In der Zeit danach waren sie eher ein Gebrauchsgegenstand und wurden auch bezahlbar. RMW baute eigene Motoren und verstand es in wirtschaftlich schweren Zeiten durch Serienproduktion einfache, aber robuste Maschine zum günstigen Preis herzustellen.

          

Josef Bachtenkirch eröffnet in Arnsberg / Westfalen ein Fahrradfach- und Versandgeschäft. In dem Jahr beginnt für die Familie Bachtenkirch die eigentliche Ära mit Fahrrädern, die bis heute und bereits in vierter Generation mit Herzblut und Verstand gelebt wird.


Die Montage in dem Arnsberger Betrieb erfogte zunächst in kleinen Mengen. Hierzu wurden Räume in der Jägerstraße angemietet. Die benötigten Fahrradteile wurden insbesondere aus Bielefeld beschafft. Die Stadt galt zunächst auch noch nach dem 2. Weltkrieg  als Hochburg der deutschen Fahrradindustrie.


Unter anderem produzierten bis 1953 die Anker-Werke ihre weit bekannten Marken-Fahrräder in Bielefeld. Die Werke gingen 1976 gänzlich in Konkurs. Eine paar Jahre später übernahm die Firma Bachtenkirch die Traditionsmarke "Anker" für ihr Fahrradprogramm.   

Für das Vorhaben, Fahrradrahmen und -gabeln selbst herzustellen, wurde in Arnsberg auf der Hüstener Straße (direkt an der B7) ein größeres Brachgelände einer alten Ziegelei erworben. Das Gebäude war in keinem guten Zustand, das Grundstück aber groß genug, um nach und nach neue Gebäude zu errichten.

  

Ab Ende der 1950 Jahre folgte die Fabrikation eigener Rahmen für die Herstellung von Fahrrädern und Kinderroller. Hierzu wurden auf dem Gelände der B7 in Arnsberg ständig neue Gebäudeteile angebaut.

Auch Kinderfahrräder zählten schon sehr frühzeitig zum  Produktionsprogramm der noch jungen Fahrradfabrik Bachtenkirch.

Die hier abgebildete Einrohrgeometrie des Fahrradrahmens waren lange typisch für sichere Kinderfahrräder. Der Auf- und Abstieg war recht einfach. Der Nachteil bei Einrohrrahmen der potenziell geringeren Rahmensteifigkeit ist bei den kleinen Rahmen aus Stahl nicht so dramatisch.


 

1964 erfolgte die Übernahme der Geschäftsführung durch die Geschwister Friedrich und Günter Bachtenkirch. Nach einem Großbrand im Frühjahr 1973 wurde Produktionsstätte neu errichtet. Die jährliche Produktion steigerte sich in den Jahren danach auf ca. 300.000 Fahrräder. Insbesondere wurde unter den Marken "JOBAFA", "REKORD", "ORKAN" und Eigenmarken für viele Großkunden, wie der ZEG, produziert. 

   

Es wurden Mitarbeiter aus Portugal eingestellt.

Nachdem der Seniorchef 1964 unerwartet verstorben ist, übernahmen seine Söhne die Geschäftsführung der Firma. Der 1934 geborene Günter Bachtenkirch kümmerte sich nunmehr im Alter von 29 Jahren als ausgebildeter Kaufmann um alle technischen Angelegenheiten. Sowohl um die Entwicklung und Produktion der Fahrräder als auch um die Umsetzung aller Pläne, die Fabrikation auszuweiten. Nach und nach wurde das Unternehmen ausgebaut, benachbarte Grundstücke erworben und neue Hallen angebaut. Die Serienfertigung wurde in den 1960er Jahren durch Fertigungsbänder mit einer Gesamtlänge von 460 Metern optimiert, die vom sog. Rohbau bis zum Versand der neu produzierten Fahrräder reichten. Günter war ein wahrhaftiger Selfmademan der Nachkriegszeit, der das Unternehmen zum Wachsen brachte. Jedoch 1986 auch eine Insolvenz durch veränderte Marktbedingungen wegstecken musste. 


Betroffen waren von dem Schicksal der Werksschließung weit über 200 Mitarbeitende, was auch für die Region ein herber Schlag war. In der Folgezeit ist Günter dann mit Unterstüzung eines Kompagnons der Weg in die Internationaliserung gelungen. Mit der indischen Fahrradfabrik HERO-Cycles, der damals weltgrößten Zweiradfabrik, gründete er eine Verbimdung, die auch Jahrzehnte später noch immer Bestand hat. 

Den Übergang auf die nächste Generation erlebte Günter nur für kurze Zeit. An den Folgen einer Langzeiterkrankung verstarb er am 14. November 1999 im Alter von nur 65 Jahren. Aus dem aktiven Geschäft zog er sich bereits zwei Jahre zuvor zurück.     

                      

In den 1970er durfte der berühmte High-Riser nicht fehlen. Ein Trend, der durch das US-amerikanische Roadmovie "Easy Rider" ausgelöst wurde.

Neben dem hohen Lenkerbügel war insbesondere der so genannte Bananensattel ein wichtiges Merkmal. Und natürlich der Schalthebel auf dem Doppel-Oberrohr für die 3-Gang-Schaltung von Fichtel & Sachs. Das Zweirad in Orange machten das Fahrrad perfekt.


Als Dietrich (Didi) Thurau (einer der größten westdeutschen Radrennfahrer) während der Tour de France 1977 lange Zeit das "Gelbe Trikot" des Gesamtführenden trug, wurde in Deutschland ein Rennradboom ausgelöst. Auch Bachtenkirch baute entsprechend Rennräder. Damals noch üblicherweise aus Stahl. 

 

Da die Produktionskapazitäten in der ersten Hälfte der 1980er Jahre am alten Standort nicht mehr ausreichten wurde im Arnsberger Ortsteil Oeventrop eine große neue Fabrik errichtet


Die wirtschaftlichen Gegebenheiten führten auch in der Fahrradbranche zur Globalisierung. Die neu errichtete Bachtenkirch-Fahrradfabrik konnte dem internationalen Wettbewerbsdruck am Ende nicht standhalten und bereits wenige Jahre nach ihrer Eröffnung aufgrund einer Insolvenz geschlossen werden. Aus der Not wurde jedoch eine Tugend: auch bei Bachtenkirch folgten schließlich erste Partnerschaften mit fernöstlichen Fahrradproduzenten.


Der Neuanfang glückte schließlich 1989 mit Hilfe der weltgrößten Fahrrad- und Motorradfabrik, HERO-Cycles aus Indien. Eine Partnerschaft, die bis heute Bestand hat. 

Nach der Entwicklung neuer Fahrradmodelle in Zusammenarbeit mit HERO-Cycles wurden die Produkte erfolgreich in den deutschen Markt geliefert. Im Bild: Brijmohan Lall Munjal (Konzernchef HERO-Cycles), Ursula und Günter Bachtenkirch.


1997 wurde die Kooperation von Ralf Bachtenkirch übernommen. Mit seiner zuvor neu gegründeten Firma Bachtenkirch-Interbike hat er sich als Hersteller von Kinder- und Jugendfahrrädern spezialisierte

Zunehmend stehen attraktive Motiv-Fahrräder "für die Kleinen" im Fokus bei BACHTENKIRCH.


Das 2004 in seiner ersten Edition eingeführte POLIZEI-Kinderfahrrad entwickelte sich schon bald zu einem der Bestseller. Nach und nach wurden die Designs der Kinderräder den der   deutschen POLIZEI-Autos angepasst.

Firmensitzverlegung in das Gewerbegebiet Möhnesee-Wippringsen (Kreis Soest). Hier erfolgte ein stufenweiser Ausbau der Logistikhallen mit einer Lagerkapazität für rund 15.000 Kinderfahrräder.


Ralf Bachtenkirch gründet das exklusiven Einzelhandelgeschäfts "Radleben". Zunächst fünf Jahre in Möhnesee-Delecke und ab 2016 im Zentrum der historischen Altstadt Soest. 


2020: "Radleben" wird ausgegründet.  Die hierzu neu gegründete eigenständige Radleben GmbH hat ihren Firmensitz in Soest und wird duch die nächste Generation, Bastian Bachtenkirch und seinem Mitgesellschafter Bartos Blaszkowski, geführt. Mit Bastian Bachtenkirch tritt die vierte BACHTENKIRCH-Generation in die aktive Geschäftsführung eines Fahrradunternehmens ein.


Die wirtschaftlichen Gegebenheiten führten auch in der Fahrradbranche zur Globalisierung. Die neu errichtete Bachtenkirch-Fahrradfabrik konnte dem internationalen Wettbewerbsdruck am Ende nicht standhalten und bereits wenige Jahre nach ihrer Eröffnung aufgrund einer Insolvenz geschlossen werden. Aus der Not wurde jedoch eine Tugend: auch bei Bachtenkirch folgten schließlich erste Partnerschaften mit fernöstlichen Fahrradproduzenten.

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