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Unser Ursprung ist Liebe

Thankgrim

Wie Bosoko von Hüsten ermordet wurde und der hl. Ludgerus
in Hüsten zu Eigentum kam

Es war einmal...

​Zur Zeit des großen Frankenkaisers Karl wohnte auf dem Wetterhofe bei Arnsberg ein Schulte mit Namen Guntram. Zu den Gastfreunden seines Hauses gehörten zwei Hofesherren in Hüsten: Bruniko und Thankgrim. Sowohl Brunikos Sohn Tiemo wie auch Thankgrims Sohn Bosoko warben um des Wetterhofers schöne Tochter Irmgard.

Während der Vater mehr den tapferen und reichen, aber unfreundlichen Tiemo vorzog, galt Irmgards Liebe dem Waffengefährten ihres Bruders im slavischen Kriege, dem freundlichen Bosoko. Ihre Kälte gegen Tiemo entfachte in diesem einen immer größer werdenden Hass gegen den glücklicheren Nebenbuhler. Auch sein Vater und seine Brüder verfeindeten sich immer mehr mit Bosoko und der ganzen Familie Thankgrims.

Da wurde der Heerbann gegen den vordringenden Kaiser Karl aufgeboten. Auch die Söhne des Wetterhofers und mit ihnen Bosoko zogen hinaus. Tiemo aber schloss sich einer Schar an, die in nächster Nähe des Herzogs Wittekind kämpfte, um sich als tapferer Streiter besonders bemerkbar machen zu können und so zu Ruhm und Anerkennung zu gelangen.

Karl eroberte die Eresburg und zerstörte das Heiligtum der heidnischen Sachsen, die Irmensul. Das Kriegsglück schwankte zwischen den Gegnern, bis es sich endlich Karl in der Schlacht an der Hase ganz zuwandte. Auf dem Wetterhofe herrschte doppelte Trauer: die Freiheit war verloren und der älteste Sohn gefallen. Vom Gram gebeugt gab jetzt endlich Vater Guntram seine Einwilligung zur Heirat seiner Tochter mit Bosoko, dem Freunde seines gefallenen Sohnes. Als Tiemo davon hörte, fasste er mit seinem Vater und seinen Brüdern den Entschluss, den Nebenbuhler zu ermorden. 

Einst ritt Bosoko abends vom Wetterhofe durch die Herbreme heim nach Hause. Da fielen plötzlich seine Feinde über ihn her und schlugen ihn nach tapferer Gegenwehr nieder. Sein Knecht, der ihn begleitete, brachte, selbst aus mehreren Wunden blutend, die traurige Nachricht nach Hüsten. Bosokos Vater und seine Brüder brachen sofort auf, aber sie fanden nur noch einen Sterbenden. Durch den noch immerwährenden Krieg wurde es ihnen unmöglich, die Mörder landesrechtlich zu verfolgen.

Als aber der siegreiche Karl ein neues Gesetz und eine neue Ordnung aufgerichtet hatte, klagte Thankgrim, der Vater des Ermordeten, bei dem Centgrafen des Gaues Angeron gegen die Mörder. Der Graf die Schöffen der Gemeinden Arnsberg, Hüsten und der Ruhrdörfer zu einem Botding. Die Angeklagten wurden schuldig erklärt und zur Zahlung des festgesetzten Wehrgeldes für die Ermordung eines Freien verurteilt. Weil aber dieses Wehrgeld eine unbeibringlich hohe Summe darstellte, so wurde das ganze Besitztum der Mörder der Familie des Ermordeten zugesprochen. In den Tagen, als das Gericht stattfand, weilte der hl. Ludgerus in Hüsten. Was Kaiser Karl durch das Schwert nicht erreicht hatte, das bewirkte die Predigt der frommen Missionare. Die Bewohner des Landes wurden eifrige Christen und unterstützten durch reichliche Geschenke die Klosterbrüder, die mit dem hl. Ludgerus ausgezogen waren, das Gotteswort zu verkünden. So schenkten denn auch jetzt der Vater und die Brüder des ermordeten Bosoko die ihnen zugesprochenen Güter dem Abte Liudger (Ludgerus).

 

Der Mord fand so seine Sühne. Als der alte Guntram vom Wetterhofe starb, vermachten Irmgard und ihr jüngerer Bruder den Wetterhof dem neuen Stift Meschede. Irmgard selbst trat in dieses Kloster ein, während ihr Bruder in das Kloster Corbie eintrat. 

(Quelle: Arnsberger Sagen, ISBN 978-3-943973-03-7, Hrsg.: Arnsberger Heimatbund e.V.) 

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