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Stock, Franz

Priester

„Erzengel in der Hölle“ – „Brückenbauer“

Franz Stock wurde am 21.09.1904 als ältestes von 8 Kindern im damaligen Neheim geboren. Er wuchs in einem von starker katholischer Tradition und Offenheit geprägtem Elternhaus auf. Schon früh entstand in ihm der Wunsch, Priester zu werden. In der Zeit größter politischer Spannungen sah er in der Wahrung des Friedens einen wesentlichen christlichen Auftrag. Während seines Theologiestudiums verbrachte er 3 Semester am Institut Catholique in Paris.

1934 wurde er zum Seelsorger der deutschen Bonifatius-Gemeinde in Paris ernannt. Er war der Initiator eines lebendigen Gemeindelebens und, seinem Wesen nach ein Mittler, wusste er den Franzosen Deutschland und umgekehrt den Deutschen Frankreich aufzuschließen.


Nach der Besetzung Frankreichs wurde er zum Seelsorger der Deutschen in Paris ernannt. Für ihn begann ein neuer Lebensabschnitt, in dem er auf der Grundlage seines Glaubens Kräfte entwickeln musste und entwickelte, die ihm später die Bezeichnung als ‚Seelsorger in der Hölle‘ zukommen ließ.

In zunehmendem Maße inhaftierten die deutsche Besatzung Menschen aus verschiedensten Gründen. Auf seine Bitte hin bekam Franz Stock die Erlaubnis, regelmäßig die Gefangenen zu besuchen und ihnen Beistand zu geben. 

Obwohl er damit im Range eines Majors stand, trug er weiterhin die Soutane. Diese ermöglichte ihm auch, Dinge zu verbergen, die er in bzw. aus dem Gefängnis für die Gefangenen schmuggelte. Er war die einzige Brücke von draußen in diese Welt des Schweigens und wieder hinaus. Er kam als Priester zu den Gefangenen in der Überzeugung, dass alle Menschen als Kinder des gleichen Gottes Brüder sind.


Ergreifend sind die Zeugnisse seines Tuns, wenn er auf den Anruf mit dem Codewort  ‚Sportfest‘ aufbrach, um die zum Tode Verurteilten auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Dort, wie auch schon bei dem Beistand in Gefängnis, machte Franz Stock keinen Unterschied zwischen den einzelnen unterschiedlichen konfessionellen oder politischen Einstellungen. Jedem bot er seine Hilfe, seinen Beistand an. Er war da, auch auf dem Weg zur ‚Beerdigung‘ und ggf. auch für den Kontakt zu den Angehörigen.

Nach der Befreiung Frankreichs  wurde er nach kurzer Gefangenschaft in Cherbourg mit der Leitung eines Seminars betreut, in dem deutschsprachige Seminaristen zusammengeführt wurde, um ihre Ausbildung weiterzuführen. Dort studierten, anfangs in Orleans, dann vom 17. August 1945 bis zur Auflösung am 5. Juni 1947 in Chartres, rund 950 junge Kriegsgefangene. Der Mitinitiator diese „Seminars hinter Stacheldraht“ der damalige Nuntius in Frankreich und spätere Papst Johannes XXXIII. würdigte dieses mehrmals:  „Das Seminar von Chartres gereicht sowohl Frankreich wie Deutschland zum Ruhme. Es ist sehr wohl geeignet, zum Zeichen der Verständigung und Versöhnung zu werden. 

Nach der Auflösung des Lagers kehrte Franz Stock nach Paris zurück. Dort starb er an Herzversagen plötzlich am 24. Februar 1948 im Alter von nur 43 Jahren.

Als Kriegsgefangener durfte seine Besetzung nicht bekannt gemacht werden. So folgten seinem Sarg nur wenige; darunter auch Nuntius Roncalli, der bei der Einsegnung folgende umfassende Würdigung fand „Abbè Stock, das ist nicht nur ein Name: er ist ein Programm.“


In der Folgezeit erkannte man in Frankreich die Bedeutung des Wirkens von Franz Stock. Dies zeigte u.a. die Würdigung auf seinem Grabstein: „… die dankbaren Familien der französischen Gefangenen und Erschossenen“. Am 15. September 1990 wurde der Platz vor dem „Memorial de la France combattante“ in Suresnes (Paris), das an den gemeinsamen Widerstand aller Franzosen gegen die deutsche Besatzung erinnert und von daher eine immense Bedeutung für das Selbstverständnis der Franzosen hat, umbenannt in „Place de l‘ Abbè Franz Stock“ und erhielt damit den Namen eines Deutschen, eines katholischen Priesters.

„In den Augen Gottes gibt es weder Engländer, noch Franzosen, noch Deutsche; es gibt einfach nur Menschen.“ (Franz Stock)



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Stock, Franz
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