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Möseler, Matthias

Bildschnitzer

Die alte Freiheit Hüsten darf stolz darauf sein, daß einer der Ihren als Schreiner, Tischler und Künstler berufen wurde, Predigtstuhl, kostbare Möbel, Kirchenbänke und sogar Altäre für Kirchen des Ruhrtals und des Hellwegraumes zu schaffen. Diese Kunstwerke rufen noch heute unser Erstaunen und unsere Bewunderung hervor.



o Welver ----------- o Werl------------- o Neuengeseke

                      o Hüsten 

o Neheim ---- o Oelinghausen ---- o Herdringen ---- o Bruchhausen --- o Arnsberg



(Abb. 1 Wirkungsstätten des Matthias Möseler)


Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieg fanden Handwerker auch im Sauerland eine Fülle von Aufträgen vor. Der Schreiner und Bildschnitzer Matthias Möseler (um 1630 bis 1700) aus Hüsten gestaltete Barockaltäre, die heute in verschiedenen Kirchen des Sauerlandes noch zu sehen sind, u.a. in der Stadtkapelle in Arnsberg, in Brilon-Thülen (für Welver ursprünglich), Arnsberg-Bruchhausen, Oelinghausen, Werl und in St. Johann in Neuengeseke. Der Werler Archivar Heinrich Josef Deisting entdeckte den Bildschnitzer als Schöpfer der Kanzel der St. Walburga-Kirche in Werl. Inzwischen hat Deisting Aufträge u. a. für das Schloß Herdringen und St. Johannes Baptist Neheim nachgewiesen. Bei der Erfassung des künstlerischen Oeuvres der Werkstatt Sasse aus Attendorn hat  Dr. Christoph Hoberg oben genannte Altäre als Werke Matthias Möselers identifiziert. Der Künstler Matthias Möseler, der bis vor 15 Jahren unbekannt war, hat es verdient, in die Reihe der Barockkünstler des Sauerlandes aufgenommen und besonders von der Öffentlichkeit in unserer Stadt zur Kenntnis genommen zu werden.



Bildschnitzer, Tischler, Bürger und Schützenbruder in Hüsten 

Geboren wurde Matthias Möseler um 1630 in der Steiermark, begraben wurde er auf dem Kirchhof neben der alten Kirche in Hüsten am 12. 4. 1700. Bei der hohen Müttersterblichkeit ist es nicht verwunderlich, daß er drei Ehefrauen zum Traualtar in der St. Petri Kirche führte. Seine erste Frau Margaret Kürger starb nach der Geburt des 7. Kindes. Nach ihrem Tod (44jährig) heiratete er eine gewisse Margarete, über die nichts weiter bekannt ist. Seine dritte Ehe ging er als 60jähriger Witwer mit der Witwe Margarethe Wellie, geb. Hallermann, aus Marwicke bei Werl ein. In der alten Freiheit lebte Matthias Möseler  als Bildschnitzer und  Landwirt. Er wurde ein angesehener Bürger, sogar Rats- und Kurherr. Er wurde unmittelbar nach der Wiederbegründung der „Schützenbruderschaft Hüsten unter dem Schutz des Heiligen Geistes“  ihr Mitglied und war damit gesellschaftlich voll integriert. Nach den Steuerregistern gehörte er zu den reichsten Bürgern der Freiheit. Von 75 Steuerpflichtigen Hüstens stand er an fünfter Stelle. Die meisten seiner Mitbürger zahlten weitaus weniger.  - 

Herrn Heinrich Josef Deisting, Stadtarchivar in Werl, hatte ich gebeten, im Jubiläumsjahr der Freiheit  Hüsten einen Beitrag über die Beziehungen zwischen Hüsten und Werl zu schreiben. Er stieß bei seinen Forschungen auf verblüffend neue Erkenntnisse: 

1622 fünf Kirchenbänke für St. Walburga in Werl angefertigt,

1668/9 Kanzel für die St. Walburga in Werl entworfen und geschnitzt,

1681 das romanische Kruzifix in der Kirche St. Johannes Baptist in Neheim ausgebessert,

1682 Stühle und Bettstätte für Freiherrn von Fürstenberg in Herdringen und

Tür am Braukeller für Freiherrn von Fürstenberg gearbeitet,

1686/8 Anrichte und Sommerhaus für Freiherrn von Fürstenberg und

1692    Bekleidung an der großen Rentmeister Tür des Freiherrn von Fürstenberg erstellt. 


Dr. Christoph Hoberg Attendorn/Berlin, der die Werke des Zeitgenossen von Matthias Möseler, nämlich des Johann Sasse aus Attendorn (gest. 1706) - auch die herrliche Strahlenkranzmadonna auf der Nonnenempore in Oelinghausen stammt aus der Werkstatt  Sasse – in jahrelanger Arbeit erforscht und ein wertvolles Buch darüber veröffentlicht hat, schreibt Möseler folgende Werke zu:

1661 Haupt- und Seitenaltar der ev. Pfarrkirche St. Johann der Täufer in Neuengeseke, 

1664 Seitenaltar der Stadtkapelle St. Georg in Arnsberg, 

Hochaltar der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bruchhausen (Rodentelgen), 

Hochaltar der Pfarrkirche St. Dionysius in Brilon-Thülen.


Michael Gosmann erkennt weitere Werke in der Klosterkirche in Oelinghausen als  Schöpfungen des Matthias Möseler: Reliquienkästen auf der Nonnnenempore, Johannesaltar an der Rückwand der Orgel und eine Kirchenbank im Eingangsbereich der Kirche.



Der Hochaltar aus der Kapelle Rodentelgen in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena und St. Luzia in Bruchhausen (Arnsberg)

Dieser Altar, der früher in der Kapelle Rodentelgen stand, ist nach eingehender Renovierung in die neubarocke Pfarrkirche versetzt worden (eingeweiht am 12. September 1926). Er diente als Hochaltar, bis 1958 die Kirchengemeinde einen neuen Altar durch den Bildhauer Josef Schnitzer aus Buching bei Füssen anschaffte. 

Die Rodentelgenkapelle, jahrhundertelang eine Wallfahrtsstätte, ist sehr alt (1424 bereits nachgewiesen). Blickfang des Altares ist die barocke Pieta. Verwirrend für eine Datierung des Barockaltares erwies sich bei zahlreichen Interpreten die Pieta, die im Mittelteil dieses Hochaltars steht und von Matthias Möseler durch eine besondere Rahmung hervorgehoben wurde. 



Vesperbild /Pieta formvollendeter Frühbarock

Bei der Betrachtung des barocken Altares kann man nicht darauf verzichten, die Pieta zunächst in den Blick zu nehmen. Die Jesusfigur in dieser Gruppe ist sehr schlank und nur mit einem Lendentuch bekleidet. Sie ruht leicht geneigt mit dem Oberkörper auf dem Schoß der Gottesmutter. Diese sitzt seitlich auf einem Stuhl, der durch einen steinförmigen Unterbau thronartig erhöht ist. Links (vom Betrachter aus gesehen) ist der Stumpf einer vergoldeten Lehne erkennbar. Das Haupt Jesu ist stark geneigt, es fällt. Für diese edle Gruppe könnte Matthias Möseler den gesamten Prospekt des Hochaltares als Rahmen gedacht haben. Als Schöpfer dieser Pieta gelten Heinrich Gröninger 1578/9 bis 1652 aus Paderborn oder sein Bruder Gerhard Gröninger (1582 bis 1652), Bildhauer in Münster. Letzterer schuf den Epitaph der Äbtissin Ottilia von Fürstenberg in der Kreuzkapelle in Klosterkirche in Oelinghausen. Für die Walburgakirche in Werl hat Gerhard Gröninger ein ebensolche Gruppe wie die in Bruchhausen geschaffen. Das ist nicht verwunderlich, denn Auftraggeber waren in beiden Fällen Prämonstratenser Stiftsherren aus Wedinghausen, die sowohl Pfarrherren in Werl als in Hüsten, zu dessen Pfarrbezirk die Rodentelgenkapelle in Bruchhausen gehörte, waren. 

Zu dieser Pieta schreibt der Kunsthistoriker Reinhard Karrenbrock in Band 1 des Werlbuches: „Von ähnlicher Qualität (=wie der Rosenkranzaltar) ist auch das bereits 1686 bezeugte Vesperbild der Propsteikirche. … Die steile Komposition mit dem schräg zum Betrachter gewandten Christuskörper und dem voll stiller Trauer zurückgeneigten Haupt Mariens verbindet die Figurengruppe mit mehreren Reliefs der schmerzhaften Mutter.“ Dann weist Karrenbrock als Beispiel auf die Pieta von Bruchhausen hin. „In ihrer schönlinigen Gewandbehandlung, ihrem weichen Faltenduktus und der eleganten Darstellung des Christuskörpers kommt die Pieta in Werl dem Bruchhauer Relief besonders nahe; beide Arbeiten dürften von dem in Münster ansässigen Gerhard Gröninger geschaffen worden sein.“ (Seite 287 mit Abbildung, Jahreszahl 1620/30). 

In der heimischen Literatur  fand die Bruchhauser Pieta manche Zuwendung. Ich möchte nur auf die Ausführungen des Arnberger Journalisten Franz Kessler hinweisen, der anläßlich einer Ausstellung religiöser Kunst im Gesellenhaus in Hüsten 1930 zu der Pieta folgendes formulierte: „Alles was sonst im Plastischen statische Schwere und körperliche Gebundenheit bedeutet, wird hier in einem Rhythmus der Bewegung und in ein Wechselspiel von Licht und Schatten angedeutet… Zu den Bewegungen des Körpers Christi spielen die Falten des Tuches, das ihn bettet, eine sanfte Begleitmelodie, und nicht ohne Absicht ist dort, wo die Knie sich beugen, der Fluß der Faltenbewegung gestaut. Die linke Hand Mariens folgt in ihrer Abwärtsbewegung der Todesmüdigkeit des Hauptes Christi und seiner eigenen Hand und steht in wirkungsvollem Gegensatz zum Aufklagen der Mutter… Die Bruchhauser Pieta ist ein Werk formvollendeten Frühbarocks…“



Der Altar

Der Altar hat sein eigenes Schicksal. Pfarrer Lohne (Pfarrer an St. Petri Hüsten, 1821-1845) war dem Denken seiner aufklärerischen Zeit verhafteter Mann. „Sein zentralistisches Streben war mit einer gewissen Gemütsarmut gekoppelt: Mittelalterliche Altäre, Figuren und Gemälde der Gotteshäuser verschleuderte er. Den Altar der Rodentelgenkapelle hat das Kirchenvorstandsmitglied Schumacher aus Bruchhausen auf eigenem  Pferdewagen ins Dorf zurückgeholt.“ Um Platz zu gewinnen, ist der Altar dann auch noch in der Kapelle versetzt und dabei verändert worden. 


Das Retabel wirkt sehr breit angelegt. Über dem Altartisch liegt eine Zone mit reichem Beschlag und Puttenköpfen, Zierrat, den wir auch an anderen Objekten Möselers beobachten können. Dieser Teil des Retabels ist ungewöhnlich hoch, durch breite, zum Teil schwarze Leistenbretter gesteigert, erreicht er die Höhe des Tabernakels. Die vier Säulen des Altaraufsatzes stehen ohne Postamente auf einer Sockelleiste. Alle Säulen sind relativ flach gearbeitet, mit Weinranken, Trauben und nur wenig Blattwerk verziert. Auf den beiden äußeren, die eine scheint nachgeschnitzt, sind die Ornamente vergoldet, die inneren sind graugrün gefärbt. 

Neben den mittleren Säulen, die die erhabene Pieta einrahmen, stehen rechts unter Muscheln eine Heilige mit Salbgefäß (Magdalena?), links die hl. Luzia mit einem langen Schwert, als Symbol ihres Märtyrertums. Auch diese grob geschnitzten Statuen sind nicht original. Wie angehängt an dieses breite Retabel wirkend, erheben sich rechts und links auf größeren Postamenten kleinere glatte Säulen mit vergoldetem Zierrat, der jeweils von unten verzweigte Gewächse andeutet, denen von oben Strahlen entgegenkommen. Seitlich stehen die für Möselers Altäre typischen Knorpelgebilde. Sie umschließen hoch gestellte ovale Gemälde mit den Aposteln Petrus und Paulus, den Patronen der Mutterkirche in Hüsten .

Oberhalb der Säulen, die mit ionischen Kapitellen schließen, liegt ein dekorativer Architrav. Die Ädikula hat seitlich wieder hochovale Gemälde, die frei stehen: der Einsiedler Antonius mit Kapuze und Glöckchen) und ein Bischof mit Mitra (Nikolaus?). Portalbogen sind im mittleren großen Feld mit einem Gemälde der hl. Familie ausgefüllt, die anderen beiden Fenster sind heute leer. Ein weiteres Gemälde mit dem Motiv der Heiligen Dreifaltigkeit befindet sich im Sprenggiebel. Ein vergoldetes Kreuz bekrönt den Altar.



Typisch Möselersche Dekoration weist auch die barocke Kirchenbank in der Klosterkirche in Oelinghausen auf. Wenn wir das Schnitzwerk dieser – übrigens sehr unbequemen – Kirchenbank mit der oben abgebildeten Zeichnung für die Werler Bänke vergleichen, stellen wir ähnliche Gestaltungsmerkmale fest. Auch das dekorative Schnitzwerk am Altar von Rodentelgen und anderen Altären tragen diese Handschrift. Vieles von dem, was der Hüstener Künstler geschaffen hat, ist im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen, so z. B. die Kirchenbänke der Walburga Kirche in Werl, deren Entwurfszeichnungen nur noch erhalten sind (s. oben). Erstaunlich ist, dass sich in der Pfarrkirche des Matthias Möseler, der St. Petri Kirche in Hüsten, in der der Künstler gebetet hat, getraut worden ist und in der seine Kinder getauft wurden, kein Erinnerungsstück an diesen Sohn der alten Freiheit erhalten hat. Abgesehen von den sich wandelnden Wertschätzungen des Barockstils, siehe Pfarrer Lohnes Verhalten gegenüber der Rodentelgenkapelle,  hatte offenbar die große neugotische Pfarrkirche, der die alte romanische Kirche 1862 hat weichen müssen, keinen Platz für überlieferte Kunstwerke.

 


Der Johannes Altar auf der Nonnenempore der Klosterkirche Oelinghausen

Wenn der Besucher der Klosterkirche in Oelinghausen die Stufen zur Nonnenempore im Westen des gotischen Langhauses hinaufgestiegen ist und im Vorübergehen einen Blick auf die historische Orgel geworfen hat, sieht er einen weiten Raum vor sich, an dessen Seiten rechts und links eichenes Chorgestühl steht. Hier können 48 Personen Platz nehmen, wobei wohl zu Klosterzeiten in einer weiteren quer gestellten Bank Vorsängerin, Priorin und andere gewichtige Mitglieder des Stifts ihre Stühle gehabt haben werden. Der Blick der betenden und singenden Stiftsfrauen wurde fokussiert auf einen Portalaltar an der Rückwand der Orgel. Der  bis in die Scheitel des gotischen Rippengewölbes aufragende Johannesaltar ist aus mehreren unterschiedlichen Elementen aufgebaut. 



Die großen Leinwandgemälde in der oberen hinteren Ebene sind hoch übereinander aufgerichtet. Sie bestehen aus zeimal drei Teilen, die untereinander thematisch nicht in Verbindung stehen: Das obere Bild ist David, dem königlichen Sänger gewidmet. Vor den Toren und Türmen Jerusalems zupft er die Harfe. Das Motiv bezieht sich thematisch auf die Orgel. Die mittleren Bilder haben die Verkündigung Mariens zum Thema. In den unteren Bildern ist das Abendmahl dargestellt. Prof. Wilfried Michel glaubte in den Gemälden die Handschrift des Künstlers Augustinus Jodefeld  zu erkennen. Zur Zeit  des Dietrich von Fürstenberg, der seine Schwester Ottilia in Oelinghausen bei einem Orgelbau unterstützte, hatte Jodefeld die Kapelle auf dem Schnellenberg (Attendorn) ausgemalt. Heute ist diese Zuweisung nicht mehr haltbar.

Um diese großen Gemälde ranken sich besonders prächtig die „Knorpelelemente“, die als Stilmittel für Matthias Möseler typisch sind. Sie rahmen  den Altar seitlich und krönen ihn. In diese Elemente sind die hochgotischen Bischofsfiguren des Augustinus und Norbert eingefügt. Die schwungvollen Flügel dieses Altares markieren einen Höhepunkt in der  Schnitzkunst des Meisters. In der Bekrönung des Portalaltares wird diese Technik wieder aufgenommen. Wie in Rodentelgen (Bruchhausen) umschließt der Zierrat das JHS. Bekrönt wird das Retabel von einer auf das frühe 15. Jahrhundert datierten Figur des heiligen Johannes des Täufers, der diesem Altar den Namen gegeben hat.



Das Retabel baut sich über drei Portalbögen auf, die getrennt sind durch vier Säulen mit reichen Beschlägen. Im mittleren, dem größten Bogenfeld, ist die Kreuzigung dargestellt. Heinrich Stratmann hat das Kreuz vor einen dunklen Hintergrund gestellt, aus dem die Gestalt Christi mit wehendem Lendentuch leuchtend hervorsticht. Unter dem Kreuz stehen Maria Magdalena, in die Knie fallend,  und rechts in hellblauem Obergewand Maria mit gefalteten Händen zu ihrem Sohn am Kreuz aufschauend. An der linken Seite, in ein glänzend dunkelblaues Untergewand mit einem blutroten Mantel gekleidet, steht der jugendliche Johannes, wie die Gottesmutter mit Heiligenschein. Auch sein Blick ist auf das Antlitz des Gekreuzigten gerichtet. In die Bögen rechts und links sind jeweils Gemälde von Heiligen eingefügt. Das Retabel ist  Matthias Möseler zuzuschreiben. Bis zur Restaurierung konnte man am Altar lesen: „Renovatum Anno Domini 1660“. 

Das qualitätvolle Figurenprogramm entstammt einer früheren Zeit (um 1480). Es hat in der westfälischen Kunsthistorie stets besondere Beachtung gefunden, während das Retabel wenig Interesse fand. Als Meister der beiden Heiligen mit den Stulpenstiefeln gilt der Rüthener Künstler Paul Gladbach (um 1680). Ob Matthias Möseler ihn persönlich gekannt und ihm den Auftrag verschafft hat, konnte nicht nachgewiesen werden.  

Der Altaraufbau wird auf beiden Seiten flankiert von zwei turmartigen Gehäusen, in deren Nischen, zu Paaren zusammengefaßt, die Apostel stehen. Auch diese spätgotischen Figuren  gehören ursprünglich nicht zu diesem Altar.



Stadtkapelle in Arnsberg, Seitenaltar oder „Marienaltar“

Schon Franz Kessler weist auf den Zusammenhang zwischen einem Kunstwerk in der Rodentelgenkapelle und den Marienaltar in der Stadtkapelle in Arnsberg hin.  „Von den vorhandenen barocken Altaraufbauten ist der Marienaltar von 1664 der älteste. Der gefällige Aufbau des Altares zeigt dünne architektonische Glieder und teilweise noch recht altertümliche frühbarocke Zierformen. Der Altar ist laut Inschrift eine Stiftung des Arnsberger Bürgermeisters Johann von Bilefeldt, der seinen Namen auch in der Kapelle zu Rodentelgen  bzw. in der heutigen Pfarrkirche zu Bruchhausen durch ein schönes Bild „Maria in Erwartung“ verewigt hat.“ Die zeitliche Zuweisung durch Franz Kessler unterstützt die Annahme, daß in Bruchhausen und Arnsberg eine Künstlergruppe  - auf Initiative des Bürgermeisters Bilefeldt – am Werk war, dabei als Schnitzer der Hüstener Künstler Matthias Möseler. Der Altar weist die gleichen Merkmale auf wie die in Neuengeseke und Thülen (Abb. im HSK Jahrbuch 2010, S. 45). Beim letzteren Altar muß davon ausgegangen werden, daß er nach dem Transport aus dem Zisterzienserkloster Welver, für das er geschaffen worden war, verändert worden ist, um ihn dem neuen Kirchenraum anzupassen (ähnlich wie in Bruchhausen). 



Das Retabel des Marienaltares in der Stadtkapelle faßt ein großes Portalgemälde Maria mit dem Jesuskind ein, das eine Stiftung des Malers H. F. Delgeze von 1726 ist, dessen Frau nach Professors Gaßmanns Ausführungen (in „Ruhrwellen“, Okt. 1932)  eine Enkelin Johanns von Bilefeldt war. Diese Jahreszahl, mehr als 50 Jahre nach Erstellung des Retabels, wirft Fragen auf. Dass ein Gemälde nach der Erstellung des Altares durch Matthias Möseler im Jahre 1664 nicht mit einem Bild im dafür vorgesehenen Bogenfeld ausgestattet gewesen wäre, kann nicht angenommen werden. Hat das erste Gemälde keinen Gefallen gefunden oder -  wahrscheinlicher -  ist das ursprüngliche Gemälde beim Brand der Stadt 1709  zerstört worden? Belegt ist, dass der Dachstuhl der Stadtkapelle damals abgebrannt ist und die Fenster auf Grund der Hitzeentwicklung gesprengt worden waren. So ist auch die Beschädigung des Altarbildes zu erklären und die Erstellung 1726 durch ein neues Werk begreiflich. Den höchsten Spendenbetrag zum Wiederaufbau der Kapelle erbrachte bei der von Pastor Erffmann gestarteten Sammelaktion übrigens die Pfarrei St. Petri in Hüsten in Form einer Anleihe aus dem Armenfonds von 150 Rtlr. 

Das sehr schöne, für Möselers Altaraufbauten sehr feingliederige Retabel baut sich über eine breite Schrifttafel auf. Die beiden Säulen, die die Tafel mit dem Bogengemälde schlicht einfassen, tragen wenig ausgearbeitete Weintrauben. Seitlich setzen große Bogenflügel mit Knorpelgebilden und angedeuteten Fruchtelementen an. Der Architrav ist mit Knöpfen und Puttenköpfen dekorativ gestaltet. Die flachen Sprenggiebel führen den Blick zu der Ädikula mit Gemälde des Johannes des Täufers in achteckigen Rahmen. Wie bei Möseler üblich, schließt das Retabel mit einem ein Ziborium andeutenden Knopf ab.  

Dieser Seitenaltar von 1664 in der Arnsberger Stadtkapelle kann als eine Meisterleistung des Hüstener Bildschnitzers Matthias Möseler bezeichnet werden.


Reparaturen

Es gehört zu den alltäglichen Arbeiten eines Bildschnitzers im 17. Jahrhundert, wenn er eine so große Familie zu ernähren hat, dass er neben seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit als Kötter auch Schreinerarbeiten und Reparaturen zu erledigen hat. Zum Erstellen von Türen und Treppen im Schloß Herdringen gibt es im Fürstenberg'schen Archiv mannigfache Abrechnungen. Auch berichtet Meister Möseler über die Reparatur des heute über dem Lektorenstuhl hängenden Kreuzes in der St. Johannes Bapt. Kirche in Neheim: „1681, vor Oktober „..hat D(ominus) Casparus Mahler zu Arnßpergh die Crucifix Bildnusen (der St. Johann – Baptist- Kirche zu Neheim) wider de novo fein abgemahlen, die Mahlerey gekostet … 5 Rthlr. …Meister Matthias zu Huste(n) die (wohl 1677)verbrannte Bittnuße ante picturam (= vor der Bemalung) gebesserett so gekosttett ad 3 R(eichs) ordtt …   die Zährungskoste(n) mit einem Dranckpfenig (Verzehrkosten für Maler und Bildschnitzer incl. Trinkgeld) haben sich verlauffen zu 4 Rthlr. …“



Schluß

Nach dem Eintrag im Totenbuch der „Hüstener Schützenbruderschaft unter dem Schutz des Heiligen Geistes“ steht unter 1700: „Meister Mathias Möseler geweßener Corporal, Margarethe seine Haußfrau“. Vor den Namen hat jemand mit Bleistift eingetragen: „12. 4. 1700“. Das ist nach dem Kirchenbuch von St. Petri der Tag seiner Bestattung, dort genannt „Matthias Moselliy. Meister Matthias ein Kleinschnitz(ler)“. Seine dritte Frau hat ihn überlebt und noch einmal geheiratet. Die Kinder sind, wenn wir den Nachforschungen Deistings folgen, alle im Raum zwischen Westönnen, Arnsberg, Herdringen und Hüsten seßhaft geblieben. Sein Sohn Matthias wird zunächst in Hüsten als „Mitarbeiter des Vaters“ genannt, in Arnsberg später als Schreinermeister bezeichnet (gest. 1725). Auch in der Enkelgeneration befinden sich in Arnsberg Handwerker (Schreiner und Schneider). Sie haben aber bei weitem nicht mehr den Rang und das Ansehen des Hüstener Bürgers, Kurherren und Bildschnitzers Matthias Möseler „aus der Steiermark bürtig“ erreicht. 



Möseler, Matthias
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